16.09.2013

Raoul Schaefer-Groebel

"Früher haben die Menschen sich aus Mangel falsch ernährt. Heute tun sie es aus Gier."

Raoul Schaefer-Groebel
Interview: Bine + Stefan Üblacker / Foto: Raoul Schaefer-Groebel

Bonn. Seit 30 Jahren existiert in Bonn der Bioladen MOMO und ist damit der älteste Laden seiner Art im Rheinland und ein Pionier der Bio-Ära. Raoul Schaefer-Groebel ist seit Anfang an dabei: Zunächst als Kunde, dann als Mitarbeiter, schließlich als Inhaber. Im Bistro "Odeon" seines Ladens blickt er mit uns zurück und nach vorn. Seine Ausführungen muss er immer wieder unterbrechen um nach den passenden Worten zu suchen – die beim Gespräch vorherrschenden Temperaturen scheinen ihren Tribut zu zollen.

Raoul, was bedeutet für dich Alternativ?

Das Wort hat inzwischen mehrere Bedeutungen erfahren. Für viele bedeutet es das Gegenteil von konservativ. Für mich steht es für die Suche nach etwas Anderem, nach etwas, dass es so bislang nicht gibt.

Für wen ist dein Bioladen eine Alternative?

Ich empfinde unseren Bioladen als Alternative zu „alternativen Lebensmittelketten“ wie Denn’s, Alnatura oder Temma. Wir versuchen viele Dinge anders zu machen als der alternative Mainstream.

Darauf gehen wir gleich weiter ein. Ist der Bio-Gedanke mit allem was von der Agrarwirtschaft bis zum Endverbraucher dazugehört eigentlich nicht das einzig Wahre?

Ja, das sehen wir auch so und wir halten diese Fahne auch hoch. Wenn Bio aber global und industriell werden soll, um sieben Milliarden Menschen zu versorgen, wird es schwierig. Da müssen viele, viele Steine ins Rollen gebracht werden.

Ist es nicht allgemein schwer dem ganzen Bio-Kreislauf Rechnung zu tragen?

Wir gehen bei nahezu jedem Produkt Kompromisse ein. Das war schon immer so gewesen. Wir versuchen aber die Beeinträchtigung der Natur auf einem erträglichen Level zu halten.

Wo zieht ihr dabei für euch die Grenze?

Wir sind natürlich, wie andere Supermärkte auch, ein kundenorientierter Laden. Wir haben aber einen Großteil unserer Kunden auch erzogen und ihnen unsere Denke vermittelt, so dass es für sie nachvollziehbar ist, dass wir auf Flugware bei Obst und Gemüse verzichten. Bei uns gibt es dann eben drei Monate lang keine Kiwi oder Avocado. Wir bieten in unseren Laden aus Prinzip auch keine PET-Flaschen an. Leider gibt es trotzdem noch genug Plastik bei uns. Wie sollen die Leute sonst ihre Lebensmittel nach Hause kriegen? Da sind wir schon wieder bei den besagten Kompromissen. Es ist oft schwer seine Überzeugung in die Tat umzusetzen.

Bezieht ihr eure Kunden mit ein?

Ja, wenn sie das wollen. Man kann aber auch ganz anonym bei uns einkaufen.

Welche Ziele habt ihr euch gesetzt?

Da gibt es einige. Wir machen uns da viele Gedanken um den ganzen Kreislauf – angefangen vom Produkt, seiner Verpackung, den Energieverbrauch, den Menschen, die es herstellen und vieles mehr. Unsere Produkte sollen eine hohe Qualität haben und am besten regional produziert sein um lange Transportwege zu vermeiden. Wir haben außerdem klare Ziele formuliert, was die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten betrifft. Es ist sehr wichtig für uns, dass wir wissen mit wem wir zusammen arbeiten. Wir wollen mit Lieferanten arbeiten, bei denen wir sicher sind, dass sie Bio nicht nur des Profites wegen, sondern wie wir, aus tiefster Überzeugung heraus machen. Profit gehört natürlich dazu, sollte aber nicht das alleinige Ziel sein.

Wie könnt ihr gute von schlechten Lieferanten unterscheiden?

Die eigentliche Intention des Lieferanten ist für uns mittlerweile sehr schnell erkennbar. Es ist für eine neue Firma nicht einfach uns ein Produkt anzupreisen. Wir arbeiten mit sehr vielen Lieferanten schon seit den Anfangstagen zusammen und neue Firmen durchleuchten wir sehr, sehr genau. Da geht es um Dinge wie die Betriebsstruktur - AGs und Konzerne arbeiten vorwiegend gewinn- und nicht qualitätsorientiert. Die Art der Verpackung und ob der Lieferant nur EU-Bio erfüllt oder nach Richtlinien von privaten Anbauverbänden wie Demeter oder Bioland produziert geben uns weitere Aufschlüsse, wie ernst es ihm mit dem Bio-Gedanken ist. Dann stellen wir uns Fragen wie: „Wie lange gibt es die Marke schon, gibt es davon evtl. noch eine Zweitmarke, beliefern die auch Aldi, Netto und Co.?“

Kannst du den Unterschied zwischen EU-Biosiegel und den Richtlinien der privaten Anbauverbände näher erläutern?

Die EU-Verordnungen beschreiben einen Mindeststandard und sind laxer als unsere Verbandsrichtlinien. Das betrifft z. B. die gesamte Kreislaufwirtschaft innerhalb eines Hofes. Die Verbandsrichtlinien erlauben u.a. weniger Tier pro qm und weniger Ausnahmen was Zusatzstoffe und Aromen angeht.

 

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